Zwischen Fels, Wasser und Leben - August 2026
Liebe Leserin,
lieber Leser,
der Sommer ist für viele Menschen die schönste Zeit des Jahres, um neue Orte zu entdecken und kleine oder große Abenteuer zu erleben. Oft zieht es uns dafür in die Ferne. Dabei liegen die eindrucksvollsten Naturerlebnisse manchmal näher, als wir denken.
Auch ich habe in den vergangenen Wochen wieder viele Stunden draußen verbracht – unter anderem bei einer Tour durch die Hochlagen des Karwendels. Bei eisigem Wind und dunklen Wolken, war ich dort fast allein unterwegs. Genau diese Momente schätze ich sehr: fern vom Bildschirm, ohne Termine und ohne Hektik. Abseits der alltäglichen To-Do-Listen und Anforderungen wird vieles plötzlich wieder erstaunlich einfach.
Doch gerade in solchen Momenten wird mir auch wieder bewusst, wie viel wir übersehen. Zwischen Felsen und Geröll, in einem unscheinbaren Tümpel, oder am Ufer eines kleinen Baches entfaltet sich eine Vielfalt, die oft erst auf den zweiten Blick sichtbar wird. Vielleicht brauchen wir gar nicht immer das nächste große Abenteuer in der weiten Ferne – sondern vor allem offene Augen und ein wenig Zeit.
Die vergangenen Wochen haben zugleich gezeigt, wie eng unsere Natur und das Wasser miteinander verbunden sind. Nach Trockenheit folgten heftige Gewitter und Starkregen. Wasser kann zerstören, aber ohne Wasser gäbe es auch all die faszinierenden Lebensräume und deren BewohnerInnen nicht.
Die zunehmende Trockenheit nehmen wir alle vor allem in den vergangen Wochen wahr, Hitze und Wasserknappheit belasten nicht nur uns Menschen, sondern verändern auch die Lebensgrundlage der Tier- und Pflanzenwelt um uns herum.
Klettersteig mit Drahtseilsicherung, während die Sonne am Grat steht
Genau diese, scheinbar so lebensfeindliche Landschaft, übt auf mich eine besondere Faszination aus. Auf den ersten Blick wirkt sie karg und verlassen. Wer sich jedoch Zeit nimmt und genauer hinsieht, entdeckt eine erstaunliche Vielfalt - von zarten Alpenblumen, bis hin zu Gämsen und hervorragend getarnten Schneehühnern. Am oben gezeigten Grat musste ich kurz innehalten und neben dem Bild des Monats, auch den zarten Alpenmohn fotografieren.
Alpen-Mohnblüten zwischen Geröll
Während ich auf eine windstille Sekunde für das Foto wartete, schien den Alpenmohn der kalte Wind kaum zu stören. Als typischer Pionier besiedelt er nährstoffarme Schutthalden und ist hervorragend an die kurzen Vegetationsperioden der Hochalpen angepasst. Seine langen Pfahlwurzeln verankern ihn im lockeren Schutt und erschließen Wasser und Nährstoffe auch dort, wo nur Fels und Geröll sichtbar sind.
Mithilfe des Teleobjektives richtete ich anschließend meinen Blick auf das ursprünglich angedachte Ziel der Tour – die Pleisenspitze (2.569 m). Dahinter zeichnete sich zwischen den schnell ziehenden Wolken das Zugspitzmassiv ab. Ich hielt inne und genoss die Aussicht. Dabei freute ich mich, von meinem ursprünglich etwas anderen Plan für den Tag abgewichen zu sein. Denn einige der folgenden Erlebnisse waren definitiv nur aufgrund der Spontanität und zeitlicher Flexibiliät möglich.
Welche Erlebnisse meinte ich?
Wenn Du genau schaust, entdeckst Du im vierten Bild ein kleines, ebenfalls auf Wasser basierendes Naturwunder der Serie, eine sogenannte Glorie um meinen Schatten am Grat unterhalb des Gipfelkreuzes der Großen Seekarspitze (2.677 m). Ein faszinierendes Lichtphänomen, das sich gelegentlich beobachten lässt, wenn die Sonne im Rücken steht und feine Nebeltröpfchen das Licht streuen. Doch das Sonnenlicht verschwand ebenso schnell, wie es gekommen war wieder hinter dichten Wolken. Da das Wetter zunehmend schlechter wurde, war es definitiv an der Zeit für den Abstieg. Nur wenige Minuten war es mir möglich gewesen dort oben im eisigen Wind am Gipfelkreuz zu verbringen, doch ich hatte diese Zeit genossen und für ein paar Bilder genutzt.
Ein weiteres besonderes Erlebnis war die Begegnung mit einer neugierigen Gams. Sie hatte mich recht schnell an meinen Rastplatz entdeckt und umkreiste mich im Laufe der Zeit mehrfach, dabei beobachtete sie mich immer wieder verstohlen. Traute sich nicht näher, wollte aber auch nicht weg.
Während meiner Zeit am Berg wechselte das Wetter mehrfach, Sonne und Wolken veränderten das Bild, das sich mir bot ständig. Ein lichtmalerisches Abenteuer, dass herausfordernd war, vor der eigenen Haustür mit dem Fahrrad begann und dort auch wieder endete. Pardon, inzwischen nennt man es Bioradl.
Lichtstimmung an der Breitgrieskarspitze
Neben der beschriebenen Tour durch das Karwendel, durfte ich in den vergangenen Tagen gleich mehrere besondere Momente erleben. Beim folgenden Beispiel hätten die Bedingungen, im Vergleich zur Bergtour kaum unterschiedlicher sein können:
Ein gigantisches Sommergewitter am See an einem lauen Sommerabend.
Früher war ich häufig auf “Gewitterjagd”. Mehrere Kameras auf beschwerten Stativen, Spezialauslöser und der ständige Blick zum Himmel – immer in der Hoffnung auf den perfekten Blitz. Dazwischen hieß es Regentropfen von den Frontlinsen wischen, die nächste Windböe abschätzen und möglichst schnell auf Veränderungen reagieren. Meist war das eine ziemlich hektische Angelegenheit.
Auch an einem dieser momentan sehr häufigen Gewitterabende in der vergangen Woche, bei dem das Bild oben entstand, spielte ich kurz mit dem Gedanken, mir noch einen spektakuläreren Vordergrund zu suchen. Die entsprechenden Plätze am Walchensee kenne ich. Doch stattdessen legte ich die Kamera auf einen Stein am Ufer, ließ sie die Blitze ganz in Ruhe aufzeichnen und setzte mich einfach daneben. Während ein sanftes und warmes Lüftchen an mir vorbeistrich und ein Blitz nach dem anderen den Himmel erhellte, konnte ich den Moment genießen und merkte dabei, dass mir dieser Abend weit mehr in Erinnerung bleiben würde, als die Frage, ob die Fotos am Ende vielleicht noch ein kleines bisschen spektakulärer hätten sein können.
Gewitterblitz am Jochberg und Walchensee
Solche Erlebnisse sind ein wunderbarer Ausgleich zu all den anderen organisatorischen Aktivitäten der letzten Monate. Doch ich freue mich auch über letztere sehr – schließlich habe ich das Gefühl, damit meinen Beitrag zu leisten.
In diesem Zusammenhang findet übrigens am 26.8.2026 im Reither Moor bei Seefeld (Tirol) ein Workshop zum Thema Achsamkeit und Fotografie im Moor, mit dem Smartphone statt. Den Dozent kennst Du vielleicht bereits persönlich? Wenn nicht, ist dies eine gute Gelegenheit mich zu treffen und in kleinem Kreise dieses wunderbare Kleinod zu entdecken und vielleicht das eine oder andere Motiv gemeinsam zu entdecken und als Foto umzusetzen!
Hier geht es zur Anmeldung: Workshop
Die Plätze sind begrenzt und ich würde mich sehr freuen, Dich unter den Teilnehmenden begrüßen zu dürfen!
Herzliche Grüße
Sebastian Frölich