Zwischen Wasser und Weide - September 2026

 
Bruchwasserläufer im warmen Abendlicht – aufgenommen in einer flachen Wasserstelle im Klosterland Benediktbeuern.
 

Liebe Leserin,
lieber Leser,

manchmal sind es gerade die unscheinbaren Orte, an denen besonders viel passiert.

Eine flache Wasserstelle, eine feuchte Senke in einer Wiese oder ein kleiner Tümpel mögen auf den ersten Blick wenig spektakulär erscheinen. Für viele Tierarten können genau solche Strukturen jedoch entscheidend sein – als Lebensraum, Kinderstube, Nahrungsplatz oder als Rastplatz während einer langen Reise.

Mein Bild des Monats zeigt einen Bruchwasserläufer, den ich im Klosterland Benediktbeuern an genau solch einer Stelle fotografieren konnte. Der kleine Watvogel ist bei uns vor allem auf dem Durchzug zu beobachten und auf geeignete Feuchtgebiete angewiesen. Solche Begegnungen sind für mich immer wieder ein Beispiel dafür, wie wichtig auch kleine und zeitweise vorhandene Wasserflächen innerhalb einer Landschaft sein können.

Ein Himmelsteich der Heinz Sielmann Stiftung in einem Wald im Gegenlicht der Abendsonne.

Himmelsteich der Heinz Sielmann Stiftung in Kooperation mit der Margarete-Ammon-Stiftung

 

Kleine Gewässer, große Wirkung

Besonders intensiv habe ich mich in diesem Sommer unter anderem wieder mit Kleingewässern beschäftigt. Zum Beispiel war ich, im Rahmen meiner fotografischen Arbeit für die Heinz Sielmann Stiftung, an einem sogenannten Himmelsteich unterwegs – kleine Gewässer, die vor allem durch Niederschläge gespeist werden.

Erst wenn man sich Zeit nimmt und genauer hinsieht, wird sichtbar, wie viel Leben sich dort auf kleinstem Raum entwickeln kann. Viele kleine und große Bewohner sind auf genau solche Gewässer angewiesen und auch für mich, unter fotografischen Gesichtspunkten gesehen, sind diese Lebensräume besonders spannend. Denn vieles von dem, was dort geschieht, bleibt unseren menschlichen Blicken normalerweise verborgen.

Vor wenigen Tagen hat mich dabei auch ein Team des Bayerischen Rundfunks begleitet. Nina und Peter waren einen halben Tag mit mir draußen und haben meine fotografische Arbeit, sowie die Bedeutung dieser kleinen Lebensräume dokumentiert.

Entstanden ist ein knapp dreiminütiger Beitrag für die BR Abendschau, der vergangene Woche ausgestrahlt wurde:

„Naturschutz: Kleine Renaturierungsmaßnahmen mit großer Wirkung“

Zum Beitrag in der ARD Mediathek

Und tatsächlich führt dieses Thema fast unmittelbar zu einem anderen Projekt, das mich in den vergangenen Wochen intensiv beschäftigt hat. Denn auch dort spielt Wasser eine entscheidende Rolle: im Klosterland Benediktbeuern.

Kleingewässer im Klosterland des ZUK des Kloster Benediktbeuern.

Renaturiertes Kleingewässer im Klosterland des ZUK, Benediktbeuern

 

Eine Landschaft im Wandel.

Auch im Klosterland Benediktbeuern spielt der Wasserhaushalt eine entscheidende Rolle. Das rund 350 Hektar große Klosterland liegt überwiegend auf Niedermoorflächen und ist eine über Jahrhunderte vom Menschen geprägte Kulturlandschaft.

Heute verändern Wiedervernässung und höhere Wasserstände die Bedingungen erneut. Gleichzeitig sollen wertvolle Offenlandlebensräume erhalten und die entsprechenden Flächen gepflegt werden.

Mit steigendem Wasserstand wird die maschinelle Mahd auf besonders nassen Bereichen zunehmend schwierig. Beweidung kann dort eine Alternative sein.

Auf einer rund 18 Hektar großen Projektfläche wird deshalb untersucht und praktisch erprobt, wie sich extensive Beweidung und angepasste Mahd miteinander verbinden lassen.

Alternative Beweidung durch Highlandrinder auf einer Moorfläche im Klosterland des ZUK.

Beweidungsprojekt im Moor des Klosterlandes Benediktbeuern

 

Gerade die Beweidung finde ich dabei besonders spannend. Rinder nutzen eine Fläche vollkommen anders als ein Mähwerk: Sie fressen selektiv, bewegen sich unterschiedlich intensiv durch die Vegetation und schaffen durch Fraß und Tritt kleinräumig verschiedene Strukturen. Kurzrasige Bereiche, höhere Vegetation und offene Bodenstellen können so unmittelbar nebeneinander entstehen.

Durch Tritt und Suhlen entstehen neue Kleinstrukturen.

 

Im Klosterland kommen unter anderem Schottische Hochlandrinder und Wasserbüffel zum Einsatz. Ihre Auswahl ist kein Zufall: In einer fünfjährigen Pilotstudie wurde untersucht, welche Rinder sich für die Beweidung der nassen Böden besonders eignen. Dabei bewährten sich die robusten Wasserbüffel und Schottischen Hochlandrinder.

 

Dabei ersetzt die Beweidung die Mahd nicht einfach. Vielmehr geht es um das Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen.

Hochlandrinder schauen zur Mähmaschine

Mahd und Beweidung im Zusammenspiel

 

Ein schönes Beispiel sind Binsen: Im stehenden Zustand werden sie von den Rindern meist gemieden. Nach dem Schnitt werden sie überraschenderweise teilweise gefressen. Gleichzeitig bleiben ausgewählte Teilflächen bewusst ungemäht, sodass sich langfristig vergleichen lässt, wie sich unterschiedlich bewirtschaftete Bereiche entwickeln.

Links eine gemäht und rechts eine ungemähte Wiesenfläche mit Binse.

Gemäht und ungemäht

 

Am besten sieht man die unterschiedlichen Flächen aus einiger Höhe. Durch den Blick aus dem Fenster einer alten Scheune und entsprechendem Bodenabstand, wird dies gut sichtbar. Mit bloßem Auge kann man so erkennen, welche der beiden Flächen die aktuell bearbeitete, und welche die “nur” beweidete Fläche ist.

Ei Rind läuft in Richtung Betrachter durch die kürzlich gemähte Fläche einer Moorwiese.

Durch die gemähte Wiese

 

Auch die Art der Mahd spielt eine Rolle. Im Klosterland wird mit einer Schnitthöhe von ungefähr zehn Zentimetern gearbeitet. Ein spezielles Mähwerk mit gegenläufig arbeitenden Messern sorgt für einen sauberen Schnitt. GPS hilft dabei, die vorgesehenen Versuchsflächen präzise zu bearbeiten.

 

Besonders interessant finde ich die lange zeitliche Perspektive. Vegetationsuntersuchungen und sogenannte Dauertransekte reichen im Klosterland bis in die 1990er-Jahre zurück. Bei einer Wiederholungskartierung 2023 konnten 25 von 26 historischen Transekten erneut aufgenommen werden. Dadurch lässt sich nachvollziehen, wie Vegetation, Wasserhaushalt und Nutzung langfristig aufeinander reagieren.

Zwei Störche nutzen die Mahd zur Futtersuche.

Wenn die Mahd den Tisch deckt

 

Eine einfache Patentlösung gibt es dabei nicht. Beweidung und Mahd sind Werkzeuge, deren Einsatz immer wieder an die Entwicklung der Landschaft angepasst werden muss. Genau deshalb gefällt mir ein Gedanke aus der entstandenen Reportage besonders gut:

Erfolgreiche Landschaftspflege (und Landwirtschaft) sollte in der heutigen Zeit ein Prozess aus Beobachten, Ausprobieren und Anpassen an die lokalen Bedingungen sein.

Damit schließt sich für mich auch der Kreis zum Bruchwasserläufer vom Anfang.

Denn letztlich geht es nicht um Rinder, Mähtechnik oder Wasserstände allein. Es geht darum, Vielfalt in einer Landschaft zu ermöglichen – und manchmal wird diese Vielfalt durch einen kleinen Vogel sichtbar, der auf seiner langen Reise genau hier einen geeigneten Platz zum Rasten findet.

Spieglein, Spieglein am Gewässer…

Noch ein kleiner Ausblick

Im Herbst gibt es einige Highlights:

Am 1. Oktober werden Hermann Sonntag und ich um 19.30 Uhr unsere Multivisionsshow “Moore” im Infozentrum/Naturparkhaus in Scharnitz zeigen.

Am 20. Oktober findet der Achtsamkeits-Fotoworkshop mit dem Katholisches Kreisbildungswerk Garmisch-Partenkirchen.e.V. und dem Haus der Begegnung (Innsbruck) im Murnauer Moos mit mir als Dozenten statt. Ziel ist es nicht nur, tolle Bilder mit der eigenen Spiegelreflex- oder Systemkamera zu machen, sondern insbesondere das Moor bewusst wahrzunehmen und zu entdecken.

Vom 3. Oktober bis 20. Dezember zeige ich auf Gut Nantesbuch meine Fotoausstellung „Wildlife in Nantesbuch“. Dort sind ausschließlich Fotografien zu sehen, die in den vergangenen Jahren direkt auf dem Gelände der Stiftung Kunst und Natur entstanden sind.

Begleitend zur Ausstellung finden mehrere persönliche Führungen auf Nantesbuch statt. Außerdem bin ich am 9. Oktober mit einem Outdoor-Fotoworkshop auf dem Gelände von Gut Nantesbuch unterwegs. Gemeinsam gehen wir auf fotografische Entdeckungstour und beschäftigen uns mit Wildlife-Fotografie, Bildgestaltung und dem bewussten Fotografieren in der Natur.

Bei den Veranstaltungen auf Gut Nantesbuch und den Fotoworkshops, ist eine Anmeldung aufgrund begrenzter Teilnehmerzahlen notwendig! Bitte hierfür die bereitgestellten Links verwenden.

Zum Schluss noch jemand, der unbedingt mit aufs Bild wollte.

Ich freue mich sehr auf all diese unterschiedlichen Termine und ganz besonders – Dich dort zu treffen! Bis dahin wünsche ich Dir einen guten Start in den Herbst – und vielleicht beim nächsten Spaziergang auch einmal einen zweiten Blick auf die kleinen Wasserstellen, feuchten Wiesen und scheinbar unspektakulären Ecken unserer Landschaft.

Denn oft beginnt Vielfalt genau dort.

Dein Sebastian

Die fotografische Reportage über das Klosterland entstand in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzzentrum ZUK e. V. Benediktbeuern und Daniel Sindlhauser vom Abrahamhof.

 
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Zwischen Fels, Wasser und Leben - August 2026