Begegnung auf Augenhöhe - Oktober 2026
Liebe Leserin,
lieber Leser,
manchmal sind es die leisen Begegnungen, die besonders lange bleiben. Diese Federjungfer entdeckte ich an einem frisch renaturierten Weiher auf Gut Nantesbuch. Während ich mich ganz langsam näherte, saß sie ruhig auf einem Laichballen, angeheftet an Wasserpflanzen. Ausgerüstet war ich mit einem speziellen Makroobjektiv und der Erwartung eines sofortigen Abfluges.
Doch sie blieb und wartete geduldig bis ich alles in Position hatte, um verschiedene Aufnahmen aus kurzer Distanz zu machen. Gerade im Makrobereich ist das oft gar nicht so einfach. Die Schärfeebene beträgt meist nur wenige Millimeter. Es gibt zwar bestimmte Techniken (sogenanntes Fokusstacking), um ein winziges Motiv dennoch von vorn bis hinten scharf zu bekommen, dies ist im Outdoorbereich in der Regel jedoch wenig praktikabel und meiner Meinung nach oft auch nicht nötig.
Denn mit ein wenig Geduld und Glück, bekommt man dennoch einen besonderen Einblick in die “Seele” des Motives. Also nur mit Kamera, Spezialobjektiv, einer kleinen Lampe und nassen Ärmeln, lag ich am Ufer des Moorweihers und vergaß für ein paar Augenblicke alles um mich herum. Sicherlich für alle zufällig Vorbeikommenden ein kurioser Anblick.
So entstand dieser ungewöhnliche Blick auf Augenhöhe. Für einen kurzen Moment wirkte die kleine Libelle beinahe wie ein gleichgroßes Gegenüber – ruhig, aufmerksam und relativ unbeeindruckt von meiner Kamera. Gleichzeitig erzählt das Bild für mich auch etwas über den Ort selbst: Wo neue Gewässer entstehen, kehrt oft erstaunlich schnell neues Leben zurück.
Abflugbereit
Passenderweise begleitet mich genau dieses Motiv nun auch durch die nächsten Wochen: Es ist das Hauptbild meiner Ausstellung „Wildlife in Nantesbuch“, die vom 3. Oktober bis 20. Dezember im Langen Haus auf Gut Karpfsee in Nantesbuch zu sehen ist. Gezeigt wird eine Auswahl an Fotografien, die in den vergangenen Jahren direkt auf dem Stiftungsgelände entstanden sind und die verschiedenen Wilden und auch Halbwilden BewohnerInnen der umgebenden Landschaft zeigt.
Mit dem Oktober beginnt nun auch eine Reihe an Veranstaltungen mit meiner Beteiligung. Heute Abend, dem 1. Oktober um 19.30 Uhr, ist meine Multivisionsshow über “Moore”, gemeinsam mit Hermann Sonntag im Infozentrum Scharnitz zu sehen. Der Eintritt ist frei und eine Anmeldung nicht nötig.
Gespanntes Publikum während der Show © MaximilianFrey
Morgen, am 2. Oktober biete ich während dem Forum Nantesbuch einen Makro-Fotoworkshop an und am Samstag, den 3. Oktober zwei Führungen (13 und 16 Uhr). Am 9. Oktober folgt ein Outdoor-Fotoworkshop. Zusätzlich führe ich an mehreren weiteren Terminen persönlich durch die Ausstellung.
Zwischen all den Vorbereitungen versuche ich mir trotzdem immer wieder Zeit zu nehmen, Nantesbuch auch weiterhin mit der Kamera zu entdecken. Gerade der neu angelegte Weiher überrascht mich dabei bei jedem Besuch aufs Neue – oft sind es andere Arten, verändertes Licht oder einfach kleine Situationen, die ich so zuvor noch nicht gesehen habe.
Wenn sich dann der Tag dem Ende neigt, schaue ich sehr gern zur kleinen Anhöhe auf Gut Karpfsee, der perfekte Platz um einen Moment innezuhalten und den Blick über die weite Landschaft gen Berge schweifen zu lassen. Letzte Woche zeigte sich über den Alpen noch einmal ein besonders intensiver Sonnenuntergang – mit weitem Blick in Richtung Zugspitze und Wettersteingebirge.
Solche Augenblicke sind für mich ein schöner Gegenpol zu all den Vorbereitungen, Terminen und Projekten der kommenden Wochen.
Blick vom Jochberg, über Zugspitze und Ammergauer Alpen zum Sonnenuntergang
Nun freue ich mich sehr auf die heutige Moorshow, die Ausstellung, die Führungen und Workshops – und natürlich ganz besonders auf die Begegnungen mit den Menschen, die dabei sein werden!
Vielleicht sehen wir uns ja in den nächsten Wochen in Nantesbuch oder heute Abend in Scharnitz.
Herzliche Grüße
Sebastian Frölich