Glanzlichter und Fledermaus - Mai 2026

 
 

Liebe Leserin,
lieber Leser,


wie Du vielleicht weißt, ist einer meiner fotografischen Schwerpunkte die Fotografie in und um Moore und Feuchtgebiete. Umso mehr freut mich die Auszeichung als Highlight bei dem renommierten Fotowettbewerb “Glanzlichter” in Fürstenfeldbruck!

Vergangene Woche am Freitag fand die Siegerehrung auf dem Klostergelände Fürstenfeldbruck statt. Bei diesem Event wurden die 86 Gewinnerbilder präsentiert, die aus den knapp 25.000 eingreichten Fotografien aus aller Welt, von der Jury ausgewählt worden waren. Eine interessante Veranstaltung, welche ich vor ein paar Jahren bereits schon einmal als Gewinner besuchen durfte. Umso erfreulicher war es, wieder einmal dort zu Gast zu sein.

Nach der Siegerehrung

Prämiert wurde das oben gezeigte Bild “Abgetaucht”, welches einen männlichen Bergmolch auf dem Weg zum Gewässergrund zeigt. Möchtest Du wissen, wie es zustande kam?

Ausgewachsene Molche schwimmen in regelmäßigen Abständen zum Atmen an die Wasseroberfläche. Dieser Vorgang dauert meist nur wenige Sekunden. Du kannst Dir sicherlich vorstellen, dass es kein leichtes Unterfangen ist, abzuschätzen wann, und wo ein Molch im eher trüben Moorwasser unterwegs ist und natürlich wann er (oder sie) entscheidet, aufzutauchen. Da ich das Ganze immer vom Ufer aus beobachte und fotografiere, handelt es sich um eine spannende Mischung aus Glück, Vorahnung und Beobachtung, sowie natürlich der einsatzbereiten und sich bereits im Wasser befindlichen Kamera. Molche faszinieren mich schon lange und so konnte ich in den letzten Jahren auch ein wenig Erfahrung bei der Fotografie dieses Verhaltens sammeln. Im vergangenen Jahr war ich im Zuge eines Auftrages für die Heinz Sielmann Stiftung und die Margarete-Ammon-Stiftung zur Dokumentation der heimischen Amphibien, in mehreren frisch renaturierten Moorweihern im Voralpenland unterwegs. Dabei konnte ich die gesammelte Erfahrung nutzen und es gelangen mir einige spannende Aufnahmen der Molche, unter anderem dieses Bergmolch-Männchens mit seinem orangenen Bauch, während er langsam in die Tiefe gleitet. Natürlich ist es kein Photoshop - sondern Wasser auf der Linse und die über der Wasseroberfläche liegende Vegetation, welches den grün-verschwommenen Effekt im oberen Bildteil hervorruft.

Bergmolch taucht durch das orange Wasser eines renaturierten Moorweihers zur Wasseroberfläche.

Auf dem Weg nach oben

 

Doch eigentlich wollte ich Dir ein ganz anderes Bild des Monats präsentieren und habe mich eher spontan für das Wettbewerbsbild entschieden.

Doch es gibt aktuell so viel zu zeigen. Die wärmende Frühlingssonne und die Eskalation der Natur (trotz vorherrschenden Trockenheit), bietet unzählige spannende Eindrücke und Erlebnisse, wenn man mit offenen Augen unterwegs ist. So auch vor wenigen Tagen auf einem kurzen und gemeinsamen nachmittäglichen Spaziergang in der Sonne. Eine Uhrzeit, bei der man eigentlich nicht unbedingt mit besonderen Tierbegegnungen - insbesondere dieser Art - rechnet und doch passierte es: Eine Fledermaus flatterte direkt vor unserer Nase und schnappte sich winzige Eintagsfliegenlarven. Fasziniert beobachteten wir das Spektakel und schnell ging es zurück nach Hause, wenige Minuten später stand ich an der gleichen Stelle und es dauerte nicht lange, da tauchte sie wieder auf!

 
Eine Fledermaus vor Kiefer im Sonnenschein

Hast Du sie entdeckt?

Mehrfach flog sie ganz nah an mir vorbei und eine Detailaufnahme gelang, bevor sie sich zum Verdauen und Putzen für ein paar Miuten in einen Ast einhängte.

 
Eine Zwerg- oder Mückenfledermaus ganz nah im Vorbeiflug.

Ganz nah

Fledermaus an einem feinen Ast mit halb geöffneten Flügeln.

Putzpause

Immer wieder tauchte sie für ein paar Minuten auf, jagte und suchte sich dann wieder irgendwo in den umliegenden Bäumen einen Ruheplatz. Sobald die Pause vorbei war, ging es wieder auf die kleine Waldlichtung am Wegesrand. Unvorhersehbare Flugmanöver stellten eine Herausforderung dar und nach wenigen Minuten war das Spektakel wieder vorbei. Ich wartete noch eine Weile, aber sie kam nicht mehr zurück. Am nächsten Tag war ich natürlich zur selben Uhrzeit vor Ort, doch nichts geschah, am Folgetag ebenfalls nicht und als ich erst nach einigen Tagen erneut die Gelegenheit hatte, wartete ich leider abermals erfolglos. Traurig hatte ich die Hoffnung bereits aufgegeben. Dennoch ging ich bei der nächsten Gelegeheit wieder hin, aber ohne große Erwartungen. Denn ich dachte mir, dass die Fledermaus vermutlich nach der Winterzeit recht großen Hunger gehabt hatte und der Massenschlupf der Eintagsfliegen der Auslöser für ihre Tagaktivität gewesen waren. Mit diesen Gedanken im Kopf, wanderte ich näher zur Stelle… Doch was war das?

Bereits von der Ferne sah ich sie mit hoher Geschwindigkeit durch die Bauwipfel jagen! Sie war wieder da und zog ihre Bahnen!

 
 

Eine Menge Bilder entstand im Flug. Dann hängte sie sich an einer nahe Kiefer ein. Ich setzte mich ein paar Meter entfernt ins Gras und beobachtete sie. Zwei Mal schaute sie von ihrer hohen Wart zu mir herüber, war ansonsten jedoch in ihre Körperpflege versunken. Es schien sie auch nicht zu interessieren, dass andere Wanderer vorbeikamen und mich ansprachen, warum ich, ohne für sie erkennbaren Grund mit zwei großen Kameras am Wegesrand sitze.

Fledermaus an einer Kiefer im Karwendel.

Kontrollblick

 

Eine ausführliche Runde drehte sie noch, dann verließ ich sie, um keine weitere und unnötige Unruhe an den Platz zu bringen. Doch natürlich hoffe ich, sie in den kommenden Tagen vielleicht noch einmal beobachten zu dürfen . Da es jetzt genau die richtige Uhrzeit ist, wünsche ich Dir einen schönen 1. Mai und gehe (hoffentlich) Fledermaus schauen!

Herzliche Grüße, dein Sebastian

 
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