Reiherente und Ende der Vortragssaison - April 2026
Liebe Leserin,
lieber Leser,
wenn ich aus dem Fenster schaue, kommen nicht gerade Frühlingsgefühle auf. Denn in Mittenwald liegt immer noch jede Menge Schnee, genau genommen eigentlich wieder. Der neuerliche Wintereinbruch hat deutlich gezeigt, welche unberechenbare Macht die Natur hat und es bleibt spannend, ob der April seinem Namen Ehre macht. Diese Unberechenbarkeit konnte man sowohl in der Natur, als auch im Straßenverkehr vor Kurzem erleben, einige geknickte Straßenschilder und Leitplanken zeugen noch davon. Zum Glück bin ich davon verschont geblieben und ich hoffe Du auch?
Doch heute, während ich diese Zeilen schreibe, zeigt sich die Sonne und es sind wärmere Temperaturen angesagt. Sofort träume ich von wunderbarstem Frühlingswetter, quakenden Fröschen und auch Spaziergängen im angenehm warmen Abendlicht, wie vor wenigen Tagen. Denn abends gehe ich gern noch eine kleine Runde zu Fuß in “meinem Revier” und manchmal nehme ich dabei auch das Kameraequipment, oder zumindest eine kleine Ausrüstung mit.
Nun, “Klein” ist sicherlich relativ.
Die “Kleine” Ausrüstung besteht meistens aus meinem 800 mm Objektiv und einem Kameragehäuse, was zusammen genau 4.460 Gramm wiegt - ich habe gerade mit meiner Küchenwaage nachgewogen.
Du fragst Dich vielleicht, warum ich diese Begleiter auf meine Spaziergänge mitnehme? Du kannst es Dir sicherlich denken - zu oft kam es schon vor, dass ich ,,leicht” unterwegs war und mich dann geärgert habe, wenn wider erwarten Tiere meinen Weg gekreuzt haben. Denn auch hier gilt: die Natur ist unberechenbar. Mit der kleinen Ausrüstung, kann ich entspannt gehen, lauschen und schauen. So mancher knappe “Schuss” aus der Hüfte ist bereits in dieser Art gelungen, so auch das Bild des Monats, die Reiherente.
Normalerweise halten Reiherenten und viele andere Tierarten in unserer Region einen großen Abstand zu uns Menschen ein. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass sie wirklich wild sind.
Weit entfernt
In Ballungszentren hingegen, ist die sogenannte Fluchtdistanz, aufgrund der Gewöhnung an den Menschen oftmals deutlich geringer. Ein großer Vorteil für FotografInnen, um zum Beispiel in Städten oder Parkanlagen, relativ einfach Tierbilder zu verwirklichen. Andererseits empfinde ich die natürliche Scheu auch als eine angenehme Herausforderung und diese verleiht den besonderen Momenten einen zusätzlichen Reiz. Zum Beispiel wenn man eine kurze Pause am Ufer macht, und die oben gezeigte Reiherente, ganz nah an einem vorbei startet.
Womit wir wieder bei der anfangs genannten Unberechenbarkeit sind. Zum Glück ist und bleibt (hoffentlich) alles in der Natur unberechenbar und dies egal wie sehr der Mensch plant, konstruiert und glaubt zu beherrschen. Nicht nur beim Wetter und anderen Naturgewalten, sondern ebenso bei den Tieren und Pflanzen, sollten wir uns regelmäßig daran erinnern, dass wir nur ein kleiner Teil des Ganzen sind und der Unberechenbarkeit unterliegen.
Dafür gibt es einen schönen Ausdruck, der jedoch inzwischen anscheinend über der Schnelllebigkeit unserer Zeit ein wenig in Vergessenheit geraten ist - Demut.
Komorane im Schneetreiben.
Doch ich bin ein wenig abgeschweift, wir waren beim Wetter. Das einsetzende Schneetreiben vor einigen Tagen, setzte meinen Spaziergängen ein jähes Ende. Da es viele andere wichtige Dinge zu tun gab und gibt, war das für mich aber eigentlich kein Problem und ich konzentrierte mich stattdessen auf meine Fotoausstellung über Moore, sowie die verschiedenen Vorträge und Führungen der letzten Tage. Ein besonderes Highlight war für mich der Bildervortrag über das Platzertal im Zuge des Sektionsabends des DAV Mittenwald. Voll besetzt war der Saal und am Ende der Veranstaltung rundeten spannende Fragen aus dem Publikum das Abendprogramm ab.
Interessante Fragen gab es auch in der, inzwischen beendeten, Ausstellung in Achenkirch. Während mehreren Führungen mit verschiedenen Gruppen (unter anderem mit zwei Klassen aus der örtlichen Volksschule), konnte ich meine Dozententätigkeit weiter ausbauen und es war spannend zu erleben, was nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen, beim Betrachten der Bilder und dem Thema Moor beschäftigte.
Das große Interesse und die entstandene Neugier, waren für mich ein deutliches Zeichen des großartigen Erfolges der Ausstellung. Daran werde ich mich sicherlich lange und gut erinnern.
Spannende Fragen und Antworten im Zuge der Führungen Foto: privat
An dieser Stelle nochmals ein ganz herzlicher Dank an alle BesucherInnen, aber auch alle Beteiligten, wie zum Beispiel Hermann Sonntag, den Naturpark Karwendel, die Heinz-Sielmann-Stiftung, die Bergrettung Achenkirch und natürlich den Kulturverein Achenkirch.
Damit ist diese winterliche Vortragssaison für mich quasi abgeschlossen. Die nächste geplante Veranstaltung findet erst Mitte Juni im Naturpark Tiroler Lech statt. Dort zeige ich erneut gemeinsam mit Hermann Sonntag die Multivisionsshow “Wie uns Moore helfen” und freue mich auf ein interessiertes Publikum!
Weitere Projekte und Events sind jedoch bereits in Planung und das Wetter wird sich bestimmt auch bessern. Es wird sicher ein guter Start in die fotografische Saison, in der Zwischenzeit wünsche ich Dir erstmal frohe Ostern!
Herzliche Grüße, dein Sebastian