Winter im Hochmoor - Februar 2026
Liebe Leserin,
lieber Leser,
am morgigen 02. Februar, ist der Internationale “Wetlands day”, zu deutsch “Tag der Feuchtgebiete”. In meinen Augen ein sehr guter Anlass, Dir bereits vor der kommenden Ausstellung in Achenkirch, eine kleine Auswahl aktueller winterlicher Bilder aus den bayrischen Voralpen zu präsentieren.
Wie Du sicherlich weißt, bin ich in diesen Gebieten in den letzten Jahren sehr viel unterwegs gewesen. Neben meinem bereits vorhandenen großen Moor-Fotoarchiv, nutze ich jede Gelegenheit für weitere Aufnahmen. Von einem von vielen Tagen im (teils renaturierten) Moor, möchte ich Dir nun hier berichten.
Dichter Nebel begrüßte mich bei meiner Ankunft. Dabei war das eigentliche fotografische Ziel nicht die mystisch wirkende Landschaft, sondern eine Dokumentation der dortigen Renaturierungsarbeiten. Das Thermometer zeigte knackige -13 °C an und entsprechend knirschte jeder Schritt auf dem gefrorenen Moorboden. Auch das Ziel meiner Linse, war danke der unverkennbaren Geräuschkulisse schnell zu finden. Knackendes Holz und das mehr oder weniger monotone Brummen einer großen Maschine.
Bagger im Moor
Zugegeben, eigentlich ist der Bagger gar nicht so groß, im Vergleich zu denen von “normalen” Baustellen. Acht Tonnen wiegt er. Mehr Gewicht auf so kleiner Fläche, würde der Boden hier im diesem Gelände vermutlich gar nicht tragen können - selbst mit den montierten Spezialketten. Trotz der eisigen Temperaturen und entsprechend gefrorenem Boden, schwankt der Bereich um die Maschine bei jedem Arbeitsschritt. Ein sonderbares Gefühl und ich kam mir ein bisschen so vor, als stünde ich auf einer großen Gummimatte.
Mehrere Male besuchte ich diese Baustelle mit der Kamera. Was hat der Bagger im Moor zu suchen und was ist das Ziel der Maßnahmen? Kannst Du es Dir vorstellen?
Die Wiedervernässung eines ehemals trockengelegten Hochmoores ist keine einfache Sache, kann aber mit viel Feingefühl, Geduld, Expertise und Durchhaltevermögen gelingen. Zur Vorgeschichte: In den vergangen Jahrzehnten wurde ein Großteil der Moorflächen im Alpenvorland (wie in vielen anderen Ländern auch) mittels Drainagen, also Gräben und zum Teil auch unterirdischen Kanälen, trockengelegt. Das Ziel war dabei in erster Linie, auf diesen Flächen Landwirtschaft betreiben zu können. Zudem wurden die Bestandteile des Moors genutzt. Es fand Torfabbau als Brennmaterial und zum Beispiel für Blumenerde statt.
Inzwischen ist der Lebensraum Moor dadurch sehr selten geworden. Die Konsequenzen sind spür- und beobachtbar, unter anderem im allseits bekannten Artensterben und natürlich der Klimaerwärmung. Denn Moore speichern immens viel CO2 - langfristig sogar mehr, als jeder Wald. So findet zum Glück inzwischen ein Umdenken statt und staatliche, aber auch einige nicht-staatliche Organisationen versuchen, so viele Flächen wie möglich zu renaturieren. Das bedeutet, die Drainagen müssen mittels Staudämmen wieder verschlossen werden. Eine aufwendige Arbeit unter schweren Bedingungen.
Damm in Arbeit
Ich könnte Dir hier nun bereits eine ausführliche Dokumentation zum Dammbau zeigen, jedoch musst Du dich noch etwas gedulden. Eine Bilderstrecke zur Erklärung der einzelnen Arbeitsschritte (mit vielen weiteren Informationen) wird während meiner Ausstellung über Moore im “Alten Widum” in Achenkirch, am Samstag dem 21.02.2026 vorgestellt. Hier kannst Du anhand der Erklärungen einen Eindruck bekommen, wie eine Baumaßnahme zur Renaturierung abläuft. Wenn Dich dieses Thema also interessiert, ist das ein weiterer Grund für Deinen Besuch bei der Vernissage! ;-)
Jetzt bin ich ein wenig abgeschweift, ich wollte Dir von diesem Tag und den entstandenen Bildern berichten. Nachdem für mich die offizielle Arbeit erledigt war, habe ich natürlich die Wetterbedingungen genutzt. Der Nebel lichtete sich immer wieder für kurze Momente, so erkundete ich ein wenig die nähere Umgebung.
Farben und Raureif
Kaum hatte ich den Moorwald verlassen, wuchs meine Begeisterung noch mehr. Welche unwirklichen Farben sich mir boten! Zusätzlich änderten sich alle paar Minuten die Lichtverhältnisse und zeigten neue landschaftliche Highlights. Teils in dramatischem Licht, teils in getöntem Nebel.
Fotografisch war ich ganz in der überwiegend dunklen Stimmung versunken, da bemerkte ich plötzlich eine drastische Veränderung und ehe ich es mich versah, lichtete sich die Nebel- und Wolkendecke. Es zeigte sich blauer Himmel mit Aussicht zu den nahen Bergen, ein umwerfender Anblick. Es war klar, die Nebellücke würde nicht lange anhalten. Also beeilte ich mich, um an einen vorher bereits entdeckten Platz mit schönen jungen Birken zu gelangen. Wie erhofft, leuchteten diese im hellen Licht, während man im Hintergrund die Berge sah.
Junge Birken im Moor
Neben der hier oben gezeigten Aufnahme, entstanden natürlich noch viele weitere Bilder (zum Beispiel das ganz oben gezeigte “Bild des Monats”). Dann schloss sich die Nebeldecke wieder und kurz darauf zauberte das Abendrot für wenige Minuten eine mystische Stimmung. Auf dem Rückweg zur Baustelle, entdeckte ich in der unmittelbaren Umgebung noch frische Spuren von Rehen. Sie schienen sich an der Maßnahme nicht zu stören Es hatte sogar fast den Anschein, als ob sie nach offiziellem Feierabend des Baggerfahrers, das Ganze noch inspizieret hätten. Wer weiß?
Eines ist ganz klar - langfristig werden auch wir als Menschen von diesen Maßnahmen sehr profitieren. Was mich jedoch offen gesagt immer wieder wundert, parallel zu den Renaturierungen werden aktuell immernoch Moorflächen weltweit zerstört, oder es liegen Pläne dafür in der Bearbeitung (vergleiche Platzertal).
Nun, aber das ist ein ganz eigenes Thema und lässt viel Spielraum für Diskussionen. Das Thema Natur- und Umweltschutz bleibt auf jeden Fall spannend. Die Natur, die uns umgibt, ist unsere Lebensgrundlage, daher geht ihr Schutz uns alle etwas an.
Vielleicht sehen wir uns ja am 21. Februar um 19 Uhr persönlich auf der Vernissage in Achenkirch? Der Eintritt ist kostenlos und neben einem spannenden Programm, wird es dort noch viele weitere Bilder und natürlich Informationen über Moore und die heimische Natur geben.
Ich freue mich sehr auf Deinen Besuch (gern in Begleitung)!
Herzliche Grüße, dein Sebastian